vgwort

email/Kontakt home/startseite

Zum 150 Todestag von Bettina von Arnim
 

[Gästebuch]

[Kontakt]

[Bibliothek]

[Chronik]

 

[Bettina v. Arnim]

[Hermina v.Chezy]

[Carola Stern]

[Magda Gatter]

[Franz Kafka]

[Renée Kraus]

[Hans Werner Engels]

[Rahel ein Buch des Andenkens]

[Badereisen nach Kissingen]

der verlorene Salon

 

 

Salon Publikationen Projekte Verein Aktuell
         

 

geboren 4. April 1785   gestorben 20. Januar 1859

zum 150. Todestag von Bettina von Arnim

vor 170 Jahren, am 20. Februar 1839, schrieb Varnhagen von Ense aus Berlin an Karl Gustav von Brinckmann in Stockholm:
"Bettina verehrte Rahel'n sehr, und noch jetzt schreibt sie mir nie einen
Brief oder Zettel, worin nicht deren Lob rührend und schön ausgesprochen
wäre. Doch hat sie früher manche kleine Treulosigkeit gegen Rahel verübt,
auch gegen mich, die wir ihr doch stets gern verziehen haben. Sie lebt
großentheils in Launen, und folgt diesen unbedingt, oft zu ihrem größten
Schaden, wie z. B. jetzt mit der englischen Übersetzung ihres Buches, die in
England nicht durchdringt, und ihr großen Verlust verursacht; sie war taub
und blind gegen alle Warnungen! Sonst kam sie täglich zu mir, seit längerer
Zeit aber bleibt sie weg, doch wenn wir einander begegnen oder schreiben,
ist es auf dem freundschaftlichsten Fuße. Ihrer Begeisterung für Goethe
stehen ähnliche zur Seite, für Schinkel, Wilhelm Humboldt, zuletzt für den
Fürsten von Pückler, doch immer mit derselben unglücklichen Wendung, die
auch bei Goethe eingetreten war, der sie gar nicht mehr vor sich lassen
wollte. Doch es ist unrecht, daß ich soviel sage, da ich doch nicht alles
sagen kann, und alles erst das rechte Bild giebt. Es ist nicht leicht, mit
Bettinen fertig zu werden, in der Schilderung wie im Leben. Lassen Sie indeß
reichlich Platz für das Beste, er wird nicht leer bleiben; die Frau hat
eminente Eigenschaften!"

Rainer Maria Rilke
Eben warst du noch, Bettine; ich seh' dich ein. Ist nicht die Erde noch warm von dir, und die Vögel lassen noch Raum für deine Stimme. Der Tau ist ein anderer, aber die Sterne sind noch die Sterne deiner Nächte. Oder ist nicht die Welt überhaupt von dir? Denn wie oft hast du sie in Brand gesteckt mit deiner Liebe und hast sie lodern sehen und aufbrennen und hast sie heimlich durch eine andere ersetzt, wenn alle schliefen. Du fühltest dich so recht im Einklang mit Gott, wenn du jeden Morgen eine neue Erde von ihm verlangtest, damit doch alle drankämen, die er gemacht hatte. Es kam dir armselig vor, sie zu schonen und auszubessern, du verbrauchtest sie und hieltest die Hände hin um immer noch Welt. Denn deine Liebe war allem gewachsen. Wie ist es möglich, daß nicht noch alle erzählen von deiner Liebe? Was ist denn seither geschehen, was merkwürdiger war? Was beschäftigt sie denn? Du selber wußtest um deiner Liebe Wert, du sagtest sie laut deinem größten Dichter vor, daß er sie menschlich mache; denn sie war noch Element. Er aber hat sie den Leuten ausgeredet, da er dir schrieb. Alle haben diese Antworten gelesen und glauben ihnen mehr, weil der Dichter ihnen deutlicher ist als die Natur. Aber vielleicht wird es sich einmal zeigen, daß hier die Grenze seiner Größe war. Diese Liebende ward ihm auferlegt, und er hat sie nicht bestanden. Was heißt es, daß er nicht hat erwidern können? Solche Liebe bedarf keiner Erwiderung, sie hat Lockruf und Antwort in sich; sie erhört sich selbst. Aber demütigen hätte er sich müssen vor ihr in seinem ganzen Staat und schreiben, was sie diktiert, mit beiden Händen, wie Johannes auf Patmos, kniend. Es gab keine Wahl dieser Stimme gegenüber, die "das Amt der Engel verrichtete"; die gekommen war, ihn einzuhüllen und zu entziehen ins Ewige hinein. Da war der Wagen seiner feurigen Himmelfahrt. Da war seinem Tod der dunkle Mythos bereitet, den er leer ließ.
in: Berliner Romantik. Eine Vierteljahrsschrift Jg. 1, H. 3, April 1919.

"Bettina von Arnim ist mit ihrem "Königsbuche" beschäftigt, dessen Zueignung der König angenommen hat. Es wird ohne Zweifel reichphantastisch, kühn und freimüthig ausfallen; doch hat die Sache ihre Schwierigkeiten, die sich mit jedem Tage mehren; weder der König noch das Publikum sind mehr so unbefangen und gut gestimmt, wie vor einem Jahre, die Wahrheiten werden nicht schmeichelhaft erscheinen, die Schmeicheleien nicht wahr. Überhaupt, wen nicht entschiedener Beruf, oder entschiedene Gunst, in diese Sphäre zieht, der thut besser, sich draußen zu halten; der Boden ist unsicher und sengt die Sohlen!"
Karl August Varnhagen an Luise von Stolberg, 14. Januar 1842

"Bettina von Arnim ist wieder hier, wohnt im Thiergarten bei [den] Zelten,
hält es mehr als je mit dem Volke, mit den Polen, und mit den Franzosen,
setzt auf unser Treiben geringe Hoffnung."
Karl August Varnhagen von Ense an Moritz Carriere, 29. Mai 1848

 

18.01.2009

zurück
Salon Publikationen Projekte Verein Aktuell