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Köln im Oktober 2009

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Gazzetino
Mitteilungen der Varnhagen Gesellschaft e. V.
No. 24 (2009)
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INHALTSÜBERSICHT

1. Familienbriefe Rahels erschienen
2. Rahel im Herbst: Weitere Neuerscheinungen
3. Tagung in Bad Münster am Stein-Ebernburg
4. Geschichte des Salons - und Salongesellschaft
5. Termine: empfehlenswerte Veranstaltungen
6. Die Varnhagen Gesellschaft e. V.
7. Glückwünsche / Ehrungen
8. Aktivitäten unserer Mitglieder
9. Ein Leserbrief zur "deutsch-jüdischen Kultur"
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1. FAMILIENBRIEFE RAHELS ERSCHIENEN
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Pünktlich zur Buchmesse brachte der Münchner Verlag C. H. Beck den lang ersehnten, von Renata Buzzo Márgari Barovero herausgegebenen neuen Band der Edition Rahel Levin Varnhagen heraus. Er enthält neben Briefen Rahels solche ihrer Mutter, des Geschwisterkreises und der nächsten Generation Levin bzw. Robert-Tornow. "Für Rahel bedeutet 'Familie' eine große Gruppe von Menschen mit denselben Vorfahren", führt die Herausgeberin in ihrem Nachwort aus: "Es wimmelt von 'Cousinen' und 'Vettern' und 'Tanten', deren Verwandtschaftsgrad nicht immer leicht zu bestimmen ist." Um so nützlicher sind Stammtafeln, Biographische Skizzen und akribische Anmerkungen, die sich oft auf biographische Notizen Karl August Varnhagens, aber auch auf jahrelange Recherchen in Archiven und Bibliotheken stützen. Die Handschrift wurde jeweils sind text- und zeichengetreu wiedergegeben und in einigen Fällen abgebildet.

Zur Charakteristik des Familienprojekts wird im Nachwort die Metapher des "Fisch-Halters" aufgegriffen, die zwischen Rahel und Ludwig Robert kursierte: ein "durchsichtiger Behälter, mit frischem 'Familienwasser' gefüllt, in dem alle Geschwister ihren Platz finden und ruhig schwimmen können." Durch die Ehe, die Rahels geliebte Schwester Rose mit dem Juristen Carel Asser in Amsterdam einging, lief dieses Aquarium über. Es begann eine Ära des Briefeschreibens.

Die Korrespondenz mit Ludwig Robert, der in Paris, später in Karlsruhe lebte, wurde in Band 2 der Edition dokumentiert. Konflikthaft war Rahels Verhältnis zu Marcus Theodor, der nach dem Tod des Vaters die Geschäftsführung und damit für seine Geschwister die Vormundschaft übernahm. Zugleich war er literarisch interessiert und schrieb zur Silvesterfeier 1820/21 sogar einen Einakter. Ergänzt werden Rahels Briefwechsel mit ihm, Rose und Moritz Robert (bis zum Zerwürfnis mit diesem im Jahr 1818) durch die mit Schwägerinnen, Nichten und Neffen. Das liebevoll-mütterliche, mitunter strenge Verhältnis Rahels zu Johanna von Lamprecht und Fanny Casper schlug sich in köstlichen, auch alltagsgeschichtlich aufschlussreichenen Briefen nieder.

Keine deutsch-jüdische Familie hat so reiches Quellenmaterial hinterlassen; sie erzählt ihre Geschichte gewissermaßen mit eigener Stimme. Dem Leser erschließt sich ein lebendiges Bild der Ära vom Umbruch der Französischen Revolution bis hinein in den Vormärz.

Rahel Levin Varnhagen: Familienbriefe. Hg. von Renata Buzzo Márgari Barovero. 1547 S. Mit 18 Abbildungen. C.H.Beck ISBN 978-3-406-58683-5
http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=26386
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2. RAHEL IM HERBST: WEITERE NEUERSCHEINUNGEN
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Eine weitere Neuerscheinung ist die im April 2008 an der Universität Zürich mit summa cum laude bewertete Dissertation: Konversion(en). Performanz und Tradierung bei Rahel Levin/Varnhagen (Wilhelm Fink, München 2009, 188 S., 27,90 EUR,ISBN 9-783770-548002)).
Die Autorin, LEYLA CIRAGAN, war Stipendiatin am interdisziplinären Graduiertenkolleg "Gedächtnis, Körper und Geschlecht". Ihre gender-studies-Arbeit versteht sich "als Auflehnung" gegen die biographisch orientierte Forschung der Science Studies (S. 177 f.). Ausführlich erörtert sie etwa die erste Publikation aus Rahels Korrespondenz über Goethe: Als dessen Urteil eingeholt werden sollte, waren die Verfasser anonymisiert worden, G (für Rahel) und E (für Karl August). In diesen vermutete Goethe opponierende Naturen , die den "gängigen Geschlechterrollen" entsprechen sollten. Untersucht werden neben Briefpassagen auch Dialoge und Träume. Da sich "bestimmte Themen und Argumentationen in der Rede über Levins Texte festsetzen und damit verschiedene Lektüren blockieren" (14), diskutiert die Verfasserin begleitend Diskurs- und Texttheorien. Das "Konzept der Konversion" soll helfen, "die Texte Levin/Varnhagens zu lesen (zu spalten)" und "die Überlieferung auf der performativen Ebene der Schreibweise zu denken" (177 ff.). Die Studie liest sich flüssig und enthält anregende Thesen. Von Benjamin über Derrida bis Agamben werden alle Zitierautoritäten des Diskurszeitalters beschworen. Ob allerdings Ciragans Polemik gegen die ältere Rahel-Forschung, deren Geschichte noch keineswegs geschrieben ist, ein neues Verständnis der Texte wirklich heraufführen wird, bleibt abzuwarten.

Fertiggestellt wurde in diesem Herbst ein Film im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (gazzettino 21/08). In Rahel - eine preussische Affäre von CATHARINA DEUS, GABRIELE CONRAD UND ILJA HALLER, produziert von ARTE und credofilm, wird die Bekanntschaft Pauline Wiesels (Alwara Höfels) mit Rahel Levin (Annett Renneberg) und dem Prinzen Louis Ferdinand (Robert Stadlober) als Dreiecksgeschichte dargestellt, zu der Friedrich Schlegels Roman Lucinde das Programm geschrieben haben soll.
"In Rahel Levins Salon denkt man anders, lebt man anders, liebt man anders. Selbst bestimmt und befreit von Konventionen", heißt es in der Ankündigung (vgl. Termine). Zugleich plant die Akademie am 22.2.2010 eine Fortbildungstagung in Berlin: (Re)constructing Rahel: Schüler, Lehrer und Wissenschaftler auf den Spuren einer Berliner Jüdin um 1800, an der sich die Varnhagen Gesellschaft mit einem Vortrag über Erinnerungskultur und Salonpraxis beteiligen wird.

HANS ROTHE veröffentlichte Puskin. Schicksal des Dichters, Wandlungen seiner Dichtung (Ferdinand Schöningh, Paderborn 2009). Der Vortrag war vor der NRW-Akademie der Wissenschaften und der Künste zu Düsseldorf gehalten worden, und mit Varnhagens russischen Studien wurde auch der genius loci beschworen. Für unsere Informationshilfe erhielten wir ein gewidmetes Exemplar.

Den neuen Rahel-Briefband "Familienbriefe" hat MANFRED KOCH in der NZZ am Sonntag Nr. 8 (27.9.2009) rezensiert.
http://static.nzz.ch/files/5/2/1/NZZaS-Buecher-September-2009_1.3658521.pdf.

Über Leopold Sonnemann Streitbarer Politiker und Gründer der Frankfurter Zeitung schrieb HARALD LORDICK in Kalonymos (Jg. 12, H. 3, S. 1-6), dem Hausblatt des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts und erwähnt auch die "jüdische Schriftstellerin Ludmilla Assing", Varnhagens Nichte, die allerdings protestantisch getauft war!

Von "Wahlverwandt und ebenbürtig", dem Buch unseres Mitglieds HAZEL ROSENSTRAUCH über Caroline und Wilhelm von Humboldt, ist bei Eichborn die dritte Auflage erschienen (ISBN 978-3-8218-6207-1, 320 S. 30 EUR).

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3. TAGUNG IN BAD MÜNSTER AM STEIN-EBERNBURG
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Die Sammlung Varnhagen und der Berliner Salons waren im September für eine Woche zu Gast in der historischen Brunnenhalle im Kurpark von Münster.

Zwei Vitrinen, acht Informationstafeln und vier Stellwände mit Bildern fanden das Interesse der Kurgäste und Spaziergänger, zumal am Tag des Denkmals (13.9.), als KORNELIA LÖHRER, MICHAEL JONES und NIKOLAUS GATTER mit Lichtbildern, Kurzvorträgen und einer "Scherenschnittmaschine" nach Lavater lockten. Parallel wurden in einem nahegelegenen Weinlokal Rosa Maria Assings Märchenlandschaften zusammen mit Scherenschnitt-Collagen unserer 'Gestaltungsbeauftragten' gezeigt (und in der Lokalpresse gewürdigt, siehe unten).

Ritterlich ging es am 12. September im "Kurpfälzer Amtshof", einem mittelalterlichen Hof am Fuß der Ebernburg zu. Unsere Jahresversammlung war mit 15 Mitgliedern diesmal recht gut besucht. Moderiert von der neu gewählten Schriftführerin SIGRUN HOPFENSPERGER, referierten anschließend ULRICH SCHUCH und TOBIAS WITT über Fouqés Ritterromantik, KARIN LAAKES über den Johanniterorden, ERNST SIEBEL über den Salon Ferdinand Lassalles, NIKOLAUS GATTER über Assing und Lassalle, HUBERT MITTLER über Prinz Eisenherz als Comic vor historisch-phantastischer Folie. Die das zusammenpasst? Lassalle selbst hatte ein Ritterdrama geschrieben, dessen Kritik durch Marx und Engels (die sog. Sickingen-Debatte) RUTH-W. ALBRECHT referierte. Abends rezitierten einige der Beteiligten zusammen mit ANGELIKA OPPENHEIMER aus dem Drama und aus Briefen Lassalles. Beteiligt waren CHNUTZ VOM HOPFEN, der uns zuvor zur Ebernburg geführt hatte, und der Gastwirt des Amtshofes, Mittelalter-Archäologe STEFAN KÖHL.

Aus dem Grußwort unserer Schirmherrin, der designierten SPD-Geschäftsführerin ANDREA NAHLES: "Von Sigurd bis Sickingen, Rittertugenden und Wertekanon von der Romantik bis zur Arbeiterbewegung" - der Titel der Tagung mag den einen oder die andere vielleicht irritieren oder auch, je nach Gemütsverfassung, schmunzeln lassen. Denn die entscheidenden Begriffe erscheinen doch weit auseinanderliegend oder jedenfalls viele Ebenen anzusprechen: Sigurd, ein frühmittelalterlicher Comic-Ritter, dessen ritterliche Moral durch seine legendäre blonde Haartolle versinnbildlicht wird; Franz von Sickingen, ein "historischer Ritter" an der Wende zur Neuzeit (was gewissermaßen sein Problem war); die Romantik, deren literarische und künstlerische (und zum Teil auch politische) Vertreter oft genug das (ritterliche) Mittelalter als Beispiel oder Sinnbild für ein nicht-fragmentiertes, "organisches" Leben und Lebensgefühl begriffen, und die Arbeiterbewegung, die, jedenfalls nach herkömmlichem Verständnis, als gesellschaftlich-politische Kraft durch den industriellen Arbeitsprozess und - kurz gesagt - eine gewisse Nüchternheit charakterisiert war. Fast scheint es also so, als sollten hier Dinge zusammengebracht werden, die nicht zusammengehören oder deren Zusammenhang sich nicht auf den ersten Blick erschließt.

Eins aber leistet der Titel ganz gewiss: Er macht neugierig.

Und schon ein zweiter Blick zeigt, wo die Verbindungen begründet sind. Denn als gemeinsamer Mittelpunkt lässt sich fast exemplarisch Ferdinande Lassalle begreifen. Und allerspätestens hier wird es für eine Germanistin und sozialdemokratin interessant, denn er veröffentlichte 1859 sein Drama "Franz von Sickingen".

Dass der als Begründer der deutschen Arbeiterbewegung bekannte Lassalle sich literarisch betätigte, mag überraschen. Jedenfalls wäre so etwas, das kann ich Ihnen versichern, im heutigen Politikbetrieb etwas - vorsichtig ausgedrückt - sehr außergewöhnliches. Noch überraschender scheint vielleicht, dass er ausgerechnet die Figur eines historischen Ritters - und dessen Selbstverständnis eben als Reichsritter - wählte, um seine politischen Überzeugungen darzulegen und eines der zentralen Ereignisse seiner Zeit zu analysieren: das Scheitern der 1848er Revolution und damit der Bemühungen um die Einigung und freiheitliche Organisation Deutschlands.

Erstaunt waren jedenfalls auch die Zeitgenossen Lassalles. Denn das Drama stieß auf erhebliche Resonanz. Zwar in der von Lassalle sicherlich vorgesehenen Art und Weise - das Stück gelangte ja zunächst nicht zur Aufführung. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Lassalle eben einen Ritter (und nicht etwa den Bauernführer Thomas Münzer) in den Mittelpunkt rückte, veranlasste aber zwei weitere Zentralpersonen der deutschen Arbeiterbewegung, Marx und Engels, sich intensiv mit dem Stück und seinen inhaltlich-ästhetischen Ansprüchen und Grundlangen auseinanderzusetzen. Die als "Sickingen-Debatte" in die Geschichte eingegangene Diskussion war damit Motor und Beispiel für die Klärungsprozesse der ja noch jungen deutschen Arbeiterbewegung und zeigt, wie unterschiedlich Wurzeln, Ziele und das Selbstverständnis der neuen Bewegung waren. Dem inhaltlich und persönlich in der Salonkultur des 19. Jahrhunderts verwurzelten Lassalle standen Marx und Engels (und in der Folge "die Eisenacher" um Bebel und Liebknecht) gegenüber, die sich um eine materialistisch fundierte Geschichtsauffassung bemühten und damit jede Kontinuität zwischen dem Vormärz und der Arbeiterbewegung leugneten, sondern vielmehr das gänzlich (und historisch) Neue an der Arbeiterbewegung herausstellten.

Und gerade die Varnhagen Gesellschaft zeigt mit ihrer Arbeit, der Erschließung der Varnhagen von Enseschen Sammlung, wie sehr diese Debatten nachwirkten. Nicht zuletzt durch ihre Tätigkeit wird deutlich, wie - auch hier wieder inhaltlich wie persönlich - vernetzt die politisch-literarische "Klasse" und wie rege der Austausch innerhalb der politischen Linken war.

Die sozialdemokratische Presse sorgte dadurch, dass sie die Tagebücher Karl August Varnhagen von Enses nachdruckte, für deren Verbreitung und sozialdemokratische Schriftsteller wie zum Beispiel Franz Mehring setzten sich noch Ende des Jahrhunderts mit dem preußischen Diplomaten und seinen Aufzeichnungen auseinander.

Die gerade angesprochene Episode macht aber auch deutlich, welche Ebenen mit der Arbeit der Varnhagen Gesellschaft angesprochen werden und welche Bedeutung ihr zukommt. So wirft die Erschließung der Sammlung ein Schlaglicht auf die - lassen Sie es mich so nennen - "ungemütlichen" Seiten des 19. Jahrhunderts in Preußen-Deutschland und ihre bis heute nachwirkenden Folgen: Die Veröffentlichung des Briefwechsels Alexander von Humboldts mit Karl August Varnhagen von Ense durch dessen Nichte, Ludmilla Assing, verursachte einen handfesten Skandal. Die Verleumdungskampagne der hochkonservativen Presse (allen voran der Kreuzzeitung) war nicht nur antisemitisch gefärbt. Der Versuch, das Buch zu marginalisieren und lächerlich zu machen, ist sicherlich besonders perfide und vielleicht auch typisch - scheint er doch dem Umstand geschuldet, dass es eine Frau war, die die Herausgabe der Aufzeichnungen bewerkstelligte.

Auch die Konsequenzen (und ihre Bedeutung) dieser werden durch Ihre Arbeit ins Bewußtsein gerufen: Aufgrund des Skandals um die Veröffentlichung der Briefe Humboldts wurde nicht nur ein bereits im Entwurf existierendes Denkmal für den Naturforscher nicht ausgeführt, das preußische Kultusministerium verweigerte auch den Ankauf seiner Bibliothek, die daraufhin 1865 in London bei einem Brand vernichtet wurde. Die Varnhagensche Sammlung selbst wurde - nach Jahrzehnten konsequenten Ignorierens durch die deutsche Wissenschaft - nach Schlesien ausgelagert und war über lange Jahre nicht zugänglich."

Dem Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften (ALG) danken wir für die Förderung der Veranstaltungen, Stefan Köhl vom Kurpfälzer Amtshof und dem Verkehrsverein Rheingrafenstein für gastfreundliche Aufnahme!
Programm
http://labourhistory.net/news/i0908_17.php
Ankündigung von Sigrun Hopfensperger:
http://romantik-biedermeier-poetischer-realismus.suite101.de/article.cfm/varnhagen_zu_gast_bei_sickingen

Ankündigung der Ausstellung in der Allgemeinen Zeitrung, Bad Kreuznach, 12. September 2009:
http://www.allgemeine-zeitung.de/region/bad-kreuznach-bad-sobernheim- kirn/vg-bad-muenster/bad-muenster/7444364.htm

BEATE VOIGT-GLADIGAU schrieb in der Allgemeinen Zeitung, Bad Kreuznach vom 15. September 2009 u. a.:
[...] Rahel Levin (1771 bis 1833) gilt als die Erfinderin der Berliner Salons. Fast wie im Wartezimmer waren zunächst die Stühle aufgestellt, im Stile eines Antichambre (Vorzimmer). Die Rolle der Frau war auf das Servieren von Kaffee beschränkt. Diese Rollenverteilung löste sich in der Romantik auf. Beide Geschlechter trafen sich, um eine "unterhaltende Kultur" zu pflegen. Immerhin gab es zu dieser Zeit kein Kino und kein Fernsehen, merkte Dr. Gatter humorvoll an. "Man lud sich ein zu Butterbrot." Verschiedene Stände trafen sich in den Salons - von Künstlern bis zum Militär. Zugelassen war jeder mit einem "gewissen Bildungsniveau" und der sich zu benehmen wusste.

Doch das war verboten: Im Mittelpunkt durfte niemand stehen. So verhielt es sich auch in der Literatur. Stegreif-Verse, auch neckische, waren jedoch erlaubt. Zur Verehrung eines holden Wesens griff man auch gerne zum Mittel des Achrostichons, wo der Name horizontal geschrieben und die Zeilen mit Schmeicheleien gefüllt wurden. Zum Zuge kamen aber auch musische Adelige, wie Louis Ferdinand, Prinz von Preussen, der dezente Salonmusik komponierte, zu der man sich unterhielt. Auch Klatsch galt als unfein, obwohl Salons wichtige Nachrichtenbörsen waren. Zu den Unterhaltungen in den Salons gehörte es, sich gegenseitig zu porträtieren.

Dabei genügte es aber durchaus, die Silhouette des Konterfeis festzuhalten. Schattenrissmaschinen wie die vom Züricher Geistlichen Johann Caspar Lavater entwickelte, werfen durch eine starke Lichtquelle das Profil auf ein Blatt Papier. Durch einen so genannten Storchenschnabel mit zwei Achsen konnten die Konturen beim damaligen "Fotokopierer" vergrößert oder verkleinert werden. [...]

Briefe, Billets oder Visitenkarten waren wichtige Kommunikationsformen. Besonders für Visitenkarten und ihre Gestaltung galten Regeln, die mehr als äußere Formalität waren. Durch eingedruckte Abkürzungen wie "ppc" (pour prendre congé = um Urlaub zu nehmen) und die umgebogene Ecke, die darauf verweist, ist zum Ausdruck gebracht: Entweder Sie empfangen mich jetzt, oder es kann dauern! Die Rückseite der Karte hatte auch die Funktion für eine kurze Mitteilung - "ähnlich wie heute die SMS", zog Gatter einen aktuellen Vergleich.

Für die emanzipierte Jüdin und Philosophin Rahel Levin waren in dieser Kultur-Epoche vor allem Briefe das Band zur Außenwelt. Sie korrespondierte mit den damaligen geistigen Größen. "Sie hat sich ihre Bildung erschrieben", so Gatter.

Der vollständige Artikel findet sich unter:
http://www.allgemeine-zeitung.de/region/bad-kreuznach-bad-sobernheim-
kirn/vg-bad-muenster/bad-muenster/7463113.htm
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4. GESCHICHTE DES SALONS - UND SALONGESELLSCHAFT
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Hierzu veröffentlichte die Evangelische Sonntags-Zeitung Nr. 41 v. 11.10.2009, S. 14 f. einen ausführlichen Artikel von HANNA SPENGLER, der den Salon von CHRISTIANE NÄGLER und BEATE HILLER vorstellte. Wir dokumentieren Auszüge:
"Bei uns erklingen geistvolle Worte, eine 'Theejungfrau' schwirrt durch Salon und Bibliothek, Literatur wird gewälzt und Teetassen klirren leise", erzählt Christiane Nägler. Seit 2001 beschäftigt sich die Fachwirtin für Marketing und Kommunikation mit der Tradition literarischer Salongesellschaften und lädt gemeinsam mit der Vertriebsleiterin Beate Hiller jeden zweiten Mittwoch im Monat zur geistreichen Abendgesellschaft in ihr gemütliches Fachwerkhaus im Rheingauer Weinort Martinsthal ein. "Der Literarische Salon ist ein kulturhistorisches europäisches Phänomen des 17. bis 20. Jahrhunderts", erklärt sie. "In den europäischen Metropolen Berlin, Paris, Wien und Florenz traf sich damals ein illustrer Kreis der Gesellschaft zum anspruchsvollen politischen und kulturellen Gedankenaustausch."

Salongesellschaften als Vorreiter der Emanzipation Gastgeberin der Salons war stets eine wohlhabende und gebildete Dame, die Salonière. Sie lud an einem bestimmten Wochentag, einem "jour fixe", in ihr Privathaus ein. Während die Männer von Adel ihren Aufgaben bei Hofe nachgingen, Kriege ausfochten oder zur Jagd ausritten, hatten die adeligen Damen hinreichend freie Zeit, um geistreiche Konversation zu pflegen und entsprechend gebildete Personen in ihren Räumlichkeiten zu empfangen. Wie der Salonexperte und Autor Ernst Siebel erklärt, vollzog sich mit der Epoche des Biedermeiers ein Wandel in den Berliner Salons. Die räsonierenden Gesellschaften, in denen das gesprochene Wort, die Diskussion dominierte, wandelte sich in schöngeistige Zusammenkünfte, die eher vom musikalischen Zwischenspiel denn vom klaren Wort bestimmt wurden. So gab es nicht selten ein Nebeneinander von Diskussion und Klavierspiel. In den Pariser Salons hatte die Dominanz der Musik, wie Siebel erwähnt, die Aufgabe, stockende Gespräche zu überdecken und die Stimmung aufzulockern.

Das Besondere der intellektuellen Zirkel war die Überwindung gesellschaftlicher Konventionen und Standesschranken. In den Salons trafen erstmals Adelige und Bürgerliche zusammen, saßen gemeinsam bei Tee und Butterbroten und tauschten sich mit Künstlern und Intellektuellen aus. Die Salons boten auf diese Weise die Möglichkeit, mit Menschen anderer Schichten umzugehen und dadurch neue Gedankenwelten zu erschließen. Vor allem jüdischen Bürgen wurden die Salons zur geistigen Anlaufstelle. Wer sich in der Salongesellschaft einfinden durfte, unterlag bestimmten Zugangsvoraussetzungen. Durch "Geist und Persönlichkeit" musste sich der Gast auszeichnen. Manche kamen auf Empfehlung anderer Gäste, wieder andere wurden direkt von der Salonière eingeladen. Die Salondamen starteten ihre "Karriere" meist sehr jung, teilweise im Alter von 18 Jahren. Neben Freizeit, Geld für die Bewirtung der Runden und adäquaten Räumlichkeiten mussten sie über eine umfassende Bildung verfügen. Befanden sich die Salondamen auf Reisen, gründeten sie oft außerhalb Deutschlands wietere Dependancen.

Auch im 21. Jahrhundert hat die Salonkultur'als offene und tolerante Geselligkeit' ihre Attraktivität nicht eingebüßt, weiß Salonière Christiane Nägler. Sie versteht sich als Kulturbotschafterin und möchte zur Verbreitung der anspruchsvollen Gesprächskultur und 'feinen Lebensart' beitragen. "Wir sind kein elitärer Zirkel", verteidigt sie ihr Projekt 'Die Salongesellschaft', das sie 2004 gründete. "Bei uns ist jeder willkommen, der Lust am Diskutieren hat und gerne mit Menschen zusammenkommt."

Etwa 35 Besucher begrüßt Nägler pro Salonabend. "Die Gäste sitzen dabei in antikem Salonintérieur bei Kerzenschein und cremefarbenen Kronleuchtern. Sie werden mit Tee, Butterbroten und Wein versorgt und parlieren gemeinsam mit einem Referenten über Themen wie Glück, Freundschaft und die Kunst."
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5. TERMINE: EMPFEHLENSWERTE VERANSTALTUNGEN
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27. Oktober, 19.00
Norbert Böhnke: Varnhagen von Enses Doppelroman. In der Reihe: Literatur zur Kur. Halle liest 2009. Christian-Wolff-Straße 2, Seiteneingang der Ulrichskirche, Gewölberaum, Halle.

28. Oktober, 19.00
Eva Atlan: Moritz Daniel Oppenheim, Das altjüdische Familienleben. Bürgerliche Gleichstellung und neue Selbstwahrnehmung. Veranstalter/Ort (in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt a. M.): Jüdisches Kulturmuseum Augsburg / Schwaben, Halderstr. 6-8, 86159 Augsburg, Info: 0821/513658 oder 513611.

29. Oktober, 15.30-17.30

UR-Märchen. Lesung und Diskussion mit unserem Mitglied Viktoria Meienburg. Elternschule am Grindel, Oberstraße 18b, Hamburg.

29. Oktober (Eröffnung 18.00) ...bis 31. Januar
Ausstellung: 'Die Welt umwälzen'. Bettine von Arnim geb. Brentano (1785-1859). Veranstalter / Ort: Marburger Haus der Romantik. Markt 13, 35037 Marburg. Info: Tel. 06421-917160.

29. Oktober, 18.30
Günter Oesterle, Universität Gießen: Apotheose oder Polemik. Der umstrittene Schiller. Frankfurter Goethe-Vorlesung. Veranstalter / Ort: Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 6, Frankfurt a. M.

30. Oktober, 19.30
Rahel Varnhagen (1771-1833): "Ich will leben, wenn man meine Texte liest!" Ein literarisch musikalisches Programm mit dem ensemble Tityre. Eintritt: 15 . Veranstalter / Ort: Augustinum Mölln, Sterleyer Straße 44, 23879 Mölln.

30. Oktober
(Beginn: 10.00) bis 31. Oktober
Konferenz: Literaturwunder Ruhr. U. a. mit unserem Mitglied Jürgen Link (30.10., 12.30) über Facetten einer anderen Heimatliteratur: "Kleine Literatur" - "Nonprofi-Literatur" - "Provinzpartisanen- Literatur"? sowie Jürgen Wilbert über Das Deutsche Aphorismus-Archiv in Hattingen, die kleine Gattung im Ruhrgebiet. Veranstalter: Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets, Fritz-Hüser-Institut, Literarischen Gesellschaft Bochum, Germanistisches Institut der Ruhr-Universität; Ort: Haus der Geschichte des Ruhrgebiets / Ruhr-Universität Bochum, Clemensstr. 17-19, 44789 Bochum.

31. Oktober, 21.00
Fernsehfilm auf ARTE: Rahel - eine preußische Affäre Produziert von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und ARTE. Ein Film von Catharina Deus, Gabriele Conrad und Ilja Haller. Produziert von Credofilm mit Unterstützung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Filmpremiere und Podiumsgespräch in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin. "Europa zwischen Revolution und Krieg. Napoleon überquert die Alpen und erobert ein Land nach dem anderen. Nichts bleibt wie es ist am Beginn des 19. Jahrhunderts, auch in Preußen nicht, wo die alte Ständeordnung ins Wanken gerät und Reformen nicht mehr aufzuhalten sind. In dieser bewegten Zeit kämpft eine Berliner Jüdin um ihre Chance, um ein Leben, das ihr bisher versagt blieb: Rahel Levin - eine Außenseiterin, eine unverheiratete Frau, nicht reich, nicht schön, nicht gebildet, aber hochintelligent, einfühlsam und rebellisch. Unmittelbar am Gendarmenmarkt ist ihr Salon um 1800 die wohl angesagteste Adresse in Berlin. In Rahel Levins Salon denkt man anders, lebt man anders, liebt man anders. Selbst bestimmt und befreit von Konventionen." Doku-Fiction, Deutsch, 52 min., HD, Farbe, Stereo, 1:1,85, 25fps Mit Annett Renneberg, Alwara Höfels, Robert Stadlober, Andreas Nickl, Rainer Sellien, Lutz Winde.
http://www.credofilm.de/filme/rahel.html

2. November, 18.00
S. Kramarz-Bein: Georg Brandes' Beitrag zur skandinavischen gesellschaftspolitischen Debatte der 1880er Jahre. Ringvorlesung In(ter)ventionen. Veranstalter/Ort: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Hörsaal S1, Schlossplatz.

3. November, 19.00
Lesung unseres Mitglieds Viktoria Meienburg zur Daphne-Ausstellung von 11 Künstlerinnen. Mit Katharina Hempel (Gitarre), Corinna Meyer-Esche (Gesang). Kunstforum GEDOK, Koppel 66, Lange Reihe 75, Hamburg.

4. November, 19.00

Johannes F. Lehmann: Rettung bei Kleist. Reihe: Heinrich von Kleist: Krieg, Recht, Leben, mit Lesung aus Kleists Schriften. Veranstalter/Ort: Heinrich-von-Kleist-Forums der Stadt Hamm (Neubau gegenüber Hauptbahnhof).

5. November, 18.00
Ortrun Riha: Erkenntnisse der Erleuchtung - Medizin im Zeitalter der Aufklärung. Veranstalter: Universität Leipzig mit der Stadt Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Ort: Stadtgeschichtliches Museum, Festsaal im Altes Rathaus, Markt 1, 04109 Leipzig.

5. November, 18.30
Aleida Assmann, Universität Konstanz: Wiedervorlage. Vom Sinn und Unsinn der Gedenktage. Frankfurter Goethe-Vorlesung. Veranstalter / Ort: Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 6, Frankfurt a. M.

5. November, 19. 30
Hazel Rosenstrauch: Lesung aus ihrem Buch über Caroline und Wilhelm von Humboldt ("Wahlverwandt und ebenbürtig", Andere Bibliothek/Eichborn 2009). Eintritt 5 EUR. Veranstalter / Ort: Tegeler Bücherstube, Grußdorfstrasse 17, 13507 Berlin.

6. bis 7. November
Tagung: Stand und Perspektiven der Pückler-Forschung. U. a. mit Referaten unserer Mitglieder James Bowman, Nikolaus Gatter, Ulf Jacob, Andrea Micke-Serin. Veranstalter: Fürst-Pückler-Stiftung, Ort: Fürst-Pückler-Museum, Schloss Branitz, 03042 Cottbus, Anmeldung: Tel. 0335 / 7 51 52 30.

8. November, 11.00
Robert Löhr: Lesung aus dem Roman Das Erlkönig-Manöver, Musik: Aaron Grahovac. Eintritt frei. Jahresfest der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft, Ort: Humboldt-Bibliothek, 13507 Berlin (Tegel), Karolinenstraße 19.

9. bis 11. November
Konferenz: Schiller, der Spieler. U. a. mit einem Vortrag von Liliane Weissberg über: Von Winnicott zu Schiller: Kindheit und Spiel. Veranstalter / Ort: Deutsches Literaturarchiv, Marbach, in Kooperation mit dem Institut für Deutsche Philologie, Freie Universität Berlin, und der Friedrich Schlegel Graduate School, Anmeldung: Tel. 07144 / 848175.

11. November, 19.30
Salon im Fachwerk: Wozu brauchen wir Denkmäler und Gedenktage? Mit Nikolaus Gatter und Saloniere Christiane Nägler. Die Salongesellschaft, Hauptstr. 1-3, 65344 Eltville-Martinsthal, Info: 06123 / 709 831.
http://www.salongesellschaft.de

12. November, 18.00
Heiner Lück: Leichenbeschaffung an den kursächsischen Universitäten. Veranstalter: Universität Leipzig mit der Stadt Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Ort: Stadtgeschichtliches Museum, Festsaal im Altes Rathaus, Markt 1, 04109 Leipzig.

16. November, 19.30
Hazel Rosenstrauch: Lesung aus ihrem Buch über Caroline und Wilhelm von Humboldt ("Wahlverwandt und ebenbürtig", Andere Bibliothek/Eichborn 2009). Eintritt 10.- / erm. 5.- EUR. Dahlemer Autorenforum. Veranstalter: Schleichersche Buchhandlung. Ort: Museen Dahlem, Lansstr. 8, 14195 Berlin (U-Bhf. Dahlem-Dorf).

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21. November (... die Ausstellung noch bis 31. Januar)
14.00: Exkursion der Varnhagen Gesellschaft in die Ausstellung Für die Freiheit - gegen Napoleon! Ferdinand von Schill, Preußen und die deutsche Nation.Preußen-Museum NRW, An der Zitadelle 14-20, 46483 Wesel, Info: 0281 / 33996-0. Nach der Führung (15.00-16.00) findet eine Vorstandssitzung statt. - Mitglieder sind willkommen!
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25. November, 19.00
Martin Huber: Der Fall des Rechts. "Der zerbrochne Krug" und "Amphytrion". Reihe: Heinrich von Kleist: Krieg, Recht, Leben, mit Lesung aus Kleists Schriften. Veranst./Ort: Heinrich-von-Kleist-Forums der Stadt Hamm (Neubau gegenüber Hauptbahnhof).

26. November, 18.00
Wolfgang Prinz: Wahrnehmung der Welt - Entdeckung und Erfindung des Subjekts. Vortrag zur Jubiläumsausstellung Erleuchtung der Welt. Veranstalter: Universität Leipzig mit der Stadt Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Ort: Stadtgeschichtliches Museum, Festsaal im Altes Rathaus, Markt 1, 04109 Leipzig.

26. November, 18.30
Ethel Matala de Mazza: Dämonische Allianzen. Wahlverwandtschaft mit Napoleon. Frankfurter Goethe-Vorlesung. Veranstalter / Ort: Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 6, Frankfurt a. M.

3. Dezember, 18.00 Uhr
Dr. Peter Wollny: Klänge der Erleuchtung - Bach und Leipzig. Vortrag zur Jubiläumsausstellung Erleuchtung der Welt. Veranstalter: Universität Leipzig mit der Stadt Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Ort: Stadtgeschichtliches Museum, Festsaal im Altes Rathaus, Markt 1, 04109 Leipzig.

7. bis 9. Dezember

Symposion: Wissenschaftliche Bibliothekare im Nationalsozialismus. U. a. mit einem Vortrag von Roland Bärwinkel (7.12., 15.45) über die Thüringische Landesbibliothek in der Zeit Hermann Blumenthals 1939-1942. Veranstalter / Ort: Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar. Anmeldung: Tel. 03643 / 54 52 00

10. Dezember
Reinhard Brandt: Johann Gottlieb Fichte - ein Philosoph der Romantik? Marburger Haus der Romantik. Markt 16, 35037 Marburg. Info: Tel. 06421-917160.

12. Dezember
(Beginn: 8.45) ...bis 19. Dezember
Internationale Konferenz: Galileo & Spinoza. Veranst. / Ort: CHSPM Université de Paris 1 - Centre Sorbonne, 17, Rue de la Sorbonne, 75231 Paris. Anmeldung: filip.buyse1@telenet.be

16. Dezember, 19.00
Michael Niehaus: Ausgleichende Gerechtigkeit? Relektüren einer kurzen Kleist-Erzählung. Reihe: Heinrich von Kleist: Krieg, Recht, Leben, mit Lesung aus Kleists Schriften. Veranstalter / Ort: Heinrich-von-Kleist-Forums der Stadt Hamm (Neubau gegenüber Hauptbahnhof).

...bis 18. Dezember
Ausstellung: Johann Christian Reil. Gelehrter, Arzt und Bürger. Veranstalter / Ort: Stadtarchiv Halle in Kooperation mit der Zentralen Kustodie der M.-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

19. Dezember, 15.00
"...der Nachwelt in zehnfacher Verherrlichung zu erscheinen" - Facetten Pücklers. Mit Martin Seifert als Fürst Pückler, Susanne Rydén, Sopran, Christine Schornsheim auf dem originalen Hammerflügel des Fürsten Pückler (Breitkopf & Härtel, 1841). Veranstalter / Ort: Pückler-Museum, Schloss Branitz.

29. Dezember, 20.15
Fernsehfilm: Rahel - eine preußische Affäre auf RBB (Wiederholung des ARTE-Films vom 31.10.)
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Vorschau auf 2010...
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13. Januar, 19.00
Harald Neumeyer: "Neger-Empörung". Zur Legitimität von Gewalt in "Die Verlobung in St. Domingo". Reihe: Heinrich von Kleist: Krieg, Recht, Leben, mit Lesung aus Kleists Schriften. Veranst./Ort: Heinrich-von-Kleist-Forums der Stadt Hamm (Neubau gegenüber Hauptbahnhof).

14. Januar, 20 Uhr
Hazel Rosenstrauch: Lesung aus ihrem Buch über Caroline und Wilhelm von Humboldt ("Wahlverwandt und ebenbürtig", Andere Bibliothek/Eichborn 2009). Veranstalter / Ort: Buchhandlung Braun & Hassenpflug. Fischerhüttenstraße 79, 14163 Berlin.

...bis 17. Januar

Ausstellung: Moritz Daniel Oppenheim - Idealbilder jüdischen Lebens. Öffnungszeiten Di-Do 9-18, Fr 9-16, So 10-17. Veranst. / Ort (in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt a. M.): Jüdisches Kulturmuseum Augsburg / Schwaben, Halderstr. 6-8, 86159 Augsburg, Info: 0821/513658 oder 513611.

19. Januar, 20.00
Tilmann Lahme: Literat oder Historiker? Golo Mann. Vortrag im Rahmen eines Forschungskolloquiums am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen, Ort: Platz der Göttinger Sieben 5, 37083 Göttingen, MZG 1213.

23. Januar
Vortrag von Hazel Rosenstrauch über Caroline und Wilhelm von Humboldt im Rahmen des Sophie-Charlotte-Salons in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Jägerstr. 11, Berlin.

1. Februar
Ute Planert: Der Mythos vom Befreiungskrieg. Colloquium: Moderne Militärgeschichte - Geschichte der militärischen Moderne. Veranstalter / Ort: Historisches Seminar, Bergische Universität, Raum N-10-18, Gaußstraße 20, 42097 Wuppertal.

3. Februar, 19.00
Friedrich Balke: "Vielmehr, es macht mich lachen!" Kleist und der Witz des Partisanen. Reihe: Heinrich von Kleist: Krieg, Recht, Leben, mit Lesung aus Kleists Schriften. Veranst./Ort: Heinrich-von-Kleist-Forums der Stadt Hamm (Neubau gegenüber Hauptbahnhof).

...bis 7. Februar
Ausstellung: Antikes Leben. Simulation eines Ideals in Hofbibliothek und Kunstsammlungen der Fürsten von Waldeck und Pyrmont. Veranstalter / Ort: Museum Bad Arolsen, Schloßstraße 27, 34454 Bad Arolsen, info: 05691 / 62 57 34.

24. Februar, 19.00

Niels Werber: Das Recht zum Krieg."Die Hermannschlacht" im Spiegel der politischen Theorie des 20. Jahrhunderts. Reihe: Heinrich von Kleist: Krieg, Recht, Leben, mit Lesung aus Kleists Schriften. Veranstalter / Ort: Heinrich-von-Kleist-Forums der Stadt Hamm (Neubau gegenüber Hauptbahnhof).
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6. DIE VARNHAGEN GESELLSCHAFT E. V.
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VORSTAND:
Dr. Nikolaus Gatter, Köln (Vorsitzender)
Christiane Nägler, Eltville (Stellvertretende Vorsitzende)
Karin Laakes, Bocholt (Schatzmeisterin)
Sigrun Hopfensperger, Osnabrück (Schriftführerin)
Kornelia Löhrer, Hürth (Schriftführerin)

SCHIRMHERRIN / EHRENMITGLIEDER
Prof. Carola Stern +
Dr. Herrad von Lamprecht, Heidelberg
Prof. Dr. Maria Victoria Arrabal Cano, Barcelona
Prof. Dr. Jaime Vándor, Barcelona (Spanien)

...ZUM 31. 12. SCHEIDEN AUS:
Kathrin Böhm, Gross Klein
Dr. Karl-Herrmann Fink, Berlin
Dr. Michael Meyer zum Wischen, Köln
Gabriele Reckhard, Sprockhövel
Katja Schubert, Rostock
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7. GLÜCKWÜNSCHE / EHRUNGEN
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zu runden Geburtstagen gratulieren wir in diesem Jahr unseren Mitgliedern MICHAEL BECKER, DIETER KUHN, CHRISTIANE NÄGLER, MARIA SCHMIDT-DZIONSKO, Prof. Dr. SVEN PAPCKE und Dr.-Ing. BODO VARNHAGEN, zu halbrunden Prof. Dr. FRIEDHELM KEMP, CHRISTIAN LIEDTKE, JUTTA NICKEL, WOLFRAM SCHUCHARDT und GERTRUD SEEHAUS-FINKELGRUEN. - Zur neuen Vorsitzenden der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft in Leipzig, zu der wir gute Beziehungen pflegen, wurde Prof. Dr. SUSANNE SCHÖTZ gewählt, der wir herzlich gratulieren. JOHANNA LUDWIG, die seit 16 Jahren unermüdlich für Louise Otto-Peters gewirkt hat, hat eine würdige Nachfolgerin gefunden, die mit unserem Mitglied Dr. IRINA HUNDT bereits an einem Forschungsprojekt zur Geschichte der Frauenbewegung gearbeitet hat.
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8. AKTIVITÄTEN UNSERER MITGLIEDER
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UWE SCHWEIKERT veröffentlichte im Mai unter dem Titel Intellektueller Grenzgänger einen Nachruf auf den Germanisten Robert Minder in
www.literaturkritik.de.

HANNAH LOTTE LUND und PAOLA FERRUTA beteiligten sich an einer Konferenz in Berlin zum Thema Versteckter Glaube oder doppelte Identität? Das Bild des Marranentums im 19. und 20. Jahrhundert (22.-24. März); Frau LUND und KIRSTEN HEINSOHN folgten dem Aufruf zu einer Tagung des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Wien und St. Pölten, über Salondamen und Dienstboten. Jüdisches Bürgertum um 1800 aus weiblicher Sicht (5. bis 8. Juli).

Briefe zu Ferdinand von Lamprecht. Ergänzungen zur Familiengeschichte hat HERRAD VON LAMPRECHT transkribiert und als Privatdruck veröffentlicht; wir danken für die Überlassung eines Exemplars! Ferner danken wir ihr für die Schenkung eines Exemplars der Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung.

Für eines der künftigen Jahrbücher des Forums Vormärz Forschung hat CHRISTIAN LIEDTKE, der es herausgeben wird, einen call for papers zum Thema Verlagswesen und Literaturbetrieb im Vormärz ausgehen lassen (Abgabetermin für Themenvorschläge/Exposé 30. Oktober 2009).
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=12141

Eine späte Reaktion auf den Beitrag von RICHARD ALBRECHT im Varnhagen-Almanach Bd. 1 fand sich im Beitrag einer Webseite Komunizmi, çeshte? Forumi virtual in Tirana (in albanischer Sprache): Karl Marks dhe Frederik Engels, zhvilluesit e terise Komuniste (12. November 2008).

RAPHAEL CAHEN, Dozent für Rechtsgeschichte an der Universität La Rochelle, hielt sich zwecks Gentz-Studien an der UB Köln auf und stattete unserem Verein in der Weißhausstr. 17 einen Besuch ab.
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9. LESERBRIEF DES VORSITZENDEN ZUR "DEUTSCH-JÜDISCHEN KULTUR"
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Eine Rede von Salomon Korn zur Eröffnung der jüdischen Hochschule in Heidelberg, die in der Frankfurter Allgemeinen abgedruckt wurde, veranlasste unseren Vorsitzenden zu einem Leserbrief (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. 10. 2009). Korn wendet sich darin gegen die "deutsch-jüdische Kultur", ohne diesen - sicherlich nicht unprobematischen - Begriff genauer zu definieren.

ZEUGNISSE EINER DEUTSCH-JÜDISCHEN KULTUR
Zu Salomon Korns Artikel "Dilemma der jüdischen Kultur in Deutschland" (F.A.Z. vom 1. Oktober):

Salomon Korn verwendet das Wort "Kultur" als Kampfbegriff. Dieser dient ihm, ebenso wie der biologistische der "Symbiose", zur Abgrenzung.

Da steht eine "kulturlandschaftlich" geprägte deutsche einer vermeintlich ubiquitären jüdischen Kultur gegenüber, die es nur auf "Grundlage göttlicher Offenbarung" geben soll. Worauf zielt die Verabsolutierung der Extreme? Das Streben aufgeklärter Freigeister jüdischer und christlicher Prägung, das sich in den gemeinsamen Kulturleistungen des 19. Jahrhunderts niedergeschlagen hat, soll diskreditiert werden. Denn ein nennenswertes Judentum gab es für Korn nur im Wilhelminismus, von 1871 bis 1918. Gehörte Alexander von Humboldt einem "kulturlandschaftlich geprägten" Deutschtum an?

Sind die Berliner Salons, in denen er um 1800 verkehrte, nichts als ein Beispiel des "Aderlasses jüdischer Substanz", der "dauerhaften Selbstentfremdung" und "des Scheiterns"? An anderer Stelle hat Korn behauptet, jüdische Gastgeberinnen hätten sich erst taufen lassen müssen, bevor ihre Salons von Christen besucht wurden. Das trifft jedoch weder auf Henriette Herz noch auf Rahel Varnhagen zu. Sie traten erst Jahrzehnte nach der Hochblüte ihrer Geselligkeit, und keineswegs aus äußerlichen Gründen, zum Christentum über - und blieben Jüdinnen, in der Außenwahrnehmung und nach eigenem Selbstverständnis.

Wenn ein "Deutscher christlicher Herkunft" gesucht wird, der "Bedeutendes auf dem Gebiet der sogenannten 'deutsch-jüdischen' Kultur geleistet hätte", sollte Salomon Korn an Karl August Varnhagen von Ense denken. Er hat mit seiner Sammlung die bedeutendsten Zeugnisse dieser Kultur eines freien, unvoreingenommenen Miteinanders von Christen und Juden überliefert. Leider harrt diese reiche Quelle noch immer der Zusammenführung und Erschließung.

Dr. Nikolaus Gatter
Varnhagen Gesellschaft e. V., Köln
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