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Köln, im Februar 2010

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Gazzetino
Mitteilungen der Varnhagen Gesellschaft e. V.
No. 25 (2010)
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INHALTSÜBERSICHT

1. Karl-August-Varnhagen-Jahr eröffnet

2. Ludmilla Assings "europäischer Ruhm" und weitere Neuerscheinungen

3. Preußens Seelenärztin - erotisch involviert?

4. Berlinka in den Memoiren des polnischen Außenministers

5. Termine: empfehlenswerte Veranstaltungen

6. Die Varnhagen Gesellschaft e. V.

7. Schöpfer der Rahel-Briefmarke verstorben

8. Aktivitäten und Publikationen unserer Mitglieder

9. Scherenschnitte von Karl August Varnhagen

10. Geschenke für unsere Bibliothek

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1. KARL-AUGUST-VARNHAGEN-JAHR ERÖFFNET

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Am 21. Februar jährt sich der Geburtstag von Karl August Varnhagen zum 225. Mal. Dessen eingedenk war auch das Goethe-Museum der Katharina-und-Anton-Kippenberg-Stiftung, dessen Direktor Prof. Dr. mult. Volkmar Hansen am 13. Januar zum Auftakt der diesjährigen Veranstaltungsreihe unser Mitglied Professor Dr. Konrad Feilchenfeldt (München) zu einem Vortrag über "Varnhagen und die Anfänge der Goethe-Philologie" eingeladen hatte. Trotz Schnee und winterlichen Temperaturen war der festliche Vortragssaal bis auf den letzten Platz gefüllt.

Der Referent wies zunächst auf den Widerspruch hin, mit dem Varnhagen zwar die Diktatur Napoleons bekämpfte, andererseits den französischen Nationalstaat als Vorbild für Preußen und Deutschland betrachtete. Ähnlich widersprüchlich sei seine kritische Haltung zu Goethe, von der ihn erst Rahel bekehrt habe.

"Ohne selbst Jude zu sein", so Feilchenfeldt, "partizipierte Varnhagen an der spezifischen Goetheverehrung, die Rahel Robert ihrerseits dem Mediziner David Veit verdankte." Varnhagen habe sich Goethe dreifach zugewandt: Erstens in literarischer Anverwandlung mit parodistischen Elementen des sogenannten Doppelromans, wo Wilhelm Meister auftritt; zweitens durch Dokumentation und Teilveröffentlichung der Briefe über Goethe, die er mit seiner Verlobten wechselte; drittens durch Korrespondenz, Besuche und Goethes Beiträge in den Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik, die Varnhagen redigierte. So wurde ein sozialer Zusammenhang zwischen Autor und Lesepublikum errichtet, der erst durch Publikation Eingang in den literarischen Diskurs fand. Gelegentlichen Klagen, es würden ohnehin zu viele Briefe gedruckt, hielt Varnhagen konsequent entgegen, es seien noch viel zu wenige!

Bereits in den Vorlesungen des Altphilologen Friedrich August Wolf wurde der Student Varnhagen in einer besonderen Tischgesellschaft platziert. Später entwickelte er die Idee einer ›Goethe-Gesellschaft‹, in der Gleichrangigkeit der Mitglieder oberstes Prinzip sein sollte; allerdings scheiterte dieses Unternehmen an den Restriktionen der Metternich-Ära und nicht zuletzt an Metternich selbst, dem Varnhagen seinen Vorschlag unterbreitet hatte. Nach Goethes Tod (1832) hatten dessen Nachkommen die Nutzung des Nachlasses nur sehr eingeschränkt genehmigt; Varnhagen half aufstrebenden Goethe-Philologen wie Heinrich Düntzer durch freigiebige Mitteilungen in ausführlichen Briefwechseln, die ihrerseits wieder Gegenstand literaturhistorischen Interesses wurden. Und das zu einer Zeit, als "Würde und Ehren der Philologie" zeitgenössischen Autoren noch kaum zuteil wurden, während Varnhagen solche Forschungen für ein "dringendes Erfordernis der deutschen Literatur" hielt.

Die philologische Vermittlung, die Varnhagen damit leistete, gehe, so das Fazit, über bloße oral history weit hinaus. Hier finde eine "Sozialisation beim Zusammentreffen eines Autors mit Lesern" statt, an der nach Varnhagens Auffassung auch die Öffentlichkeit partizipieren sollte. Mit der Edition des Briefwechsels 1810-1848, den Varnhagen mit Goethes Verleger Cotta und seinem Sohn führte, hat Feilchenfeldt selbst ein Beispiel für diese geselligkeitsstiftende Rezeptionsweise vorgelegt.

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2. RAHEL IM HERBST: WEITERE NEUERSCHEINUNGEN

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NEUE ERKENNTNISSE ÜBER RAHEL UND VARNHAGEN

In der Zeitschrift Partituren, Nr. 15 von 2008, S. 37 beschäftigt sich ARNDT COBBERS unter dem Titel Goethe, die Geliebte und andere Geheimnisse mit BEETHOVENS AUFENTHALTEN IN TÖPLITZ in den Jahren 1811/12. Die "Spurensuche in Tschechien" führt ihn u. a. zu einer Bar an der Stelle, wo Beethoven einst in der radioaktiven Urquelle badete. Erwähnt werden auch Varnhagen und Rahel, "auf deren Bitten hin er sich gar ans Klavier im Redoutencafé setzte und fantasierte".

Mit Rahels Zeit in Karlsruhe hatte sich schon im Mai 2006 IRENE FERCHL in der Baden-Württemberg-Woche (Heft 8) des Staatsanzeigers Stuttgart beschäftigt.

Zur Reihe Romantik, die mit diesem Artikel begann, hat der Zeichner DAVOR BAKARA Karikaturen angefertigt; das auf Rahel Varnhagen bezügliche Blatt wurde am 27. Juli 2009 unter www.toonpool.com hochgeladen.

http://www.toonpool.com/cartoons/Rahel%20Varnhagen_52282

LUDMILLA ASSINGS "EUROPÄISCHER RUHM" (Pückler)

Seit unserer Tagung Ludmilla Assing in Florenz, die wir im April 2000 in der Villa Romana durchführten, regt sich unter italienischen Historikern Interesse an ihrem Wirken: Unser Mitglied SILVIA CHIOCCI (Perugia) arbeitet an einer Bibliographie. GIULIA FRONTONI, Teilnehmerin eines Graduiertenkollegs in Göttingen, hielt am 8.12.09 einen Vortrag über Frauen im Risorgimento, der Ludmilla Assing berücksichtigte und im Almanach 4 erscheinen soll.

Vor einiger Zeit erschienen Aufsätze von Monica Mola: Note su una "Fama usurpata: Il contributo du Ludmilla Assing alla polemica Imbriani-Maffei sulla traduzione del Faust. In. La Civile letteratura. Studi sull'Ottocento offerti ad Antonia Palermo. Napoli: Liguri editore, Bd. 1 (2002), S. 127-137 und Maria Chiara Mocali: Le scrittrici Ludmilla Assing, Malwida von Meysenbug, Ricarda Huch. In dies. / Claudia Vitale (Hg.) Cultura tedesca a Firenze. Scrittici ed artiste tra Otto e Novecento. Firenze: Le Lettere, S. 141-151.

...UND WEITERE INTERESSANTE NEUERSCHEINUNGEN:

Thomas Neumann setzt die von ihm begonnene Werkausgabe CAROLINE DE LA MOTTE FOUQUÉS mit dem Roman Feodora, Norderstedt 2009 fort (Werke und Schriften 3.1), 348 S. 68,00 €.
http://www.caroline-fouque.de

Eine Biographie der Buchillustratorin, Malerin und Zeitbeobachterin der Revolution von 1848 ALLWINA FROMMANN unter dem Titel "...ich wart’ auf meine Zeit" legte Ingrid Dietsch in der Weimarer Verlagsgesellschaft vor.
http://www.verlag-weimar.de

Eine Mainzer KARL-GUTZKOW-Tagung zum 200. Geburtstag des Dichters (17. März 2011) bereiten das Germanistische Institut der Universität Wuppertal und das Institut für Buchwissenschaft in Mainz vor. Vortragsvorschläge sind bis 1.3.2010 erbeten.

Information und Anmeldung: uschneid(at)mail.uni-mainz.de

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3. PREUSSENS SEELENÄRZTIN – EROTISCH INVOLVIERT?

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Zwischen den Jahren, am 29.12., sendete der SFB die arte-Filmproduktion der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zu Rahel Levin, Pauline Wiesel und Prinz Louis Ferdinand. Am gleichen Tag veröffentlichte der Tagesspiegel den Artikel Preußens Seelenärztin von CONRAD WIEDEMANN, der in der BBAW das Projekt *Berliner Klassik* leitet.
http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Rahel-Varnhagen;art304,2986373

Der Autor geht u. a. auf das Problem ein, "Rahels primäre Ausdruckswelt" zu visualisieren, und stellt kluge Betrachtungen zur jüdischen Emanzipationsbewegung und Bildungsgeschichte an.

An einer Stelle heißt es allerdings: "Weniger bekannt ist die Rolle Rahels in der chaotischen Schlussphase des Verhältnisses, in der sich ihr die beiden als gemeinsamer Seelenfreundin und Analytikerin vorbehaltlos anvertrauten. Briefe Rahels lassen vermuten, dass sie selbst erotisch involviert war, und zwar nach beiden Seiten, zu Pauline und zu Louis Ferdinand."

Da stellt sich allerdings die Frage, weshalb sich FANNY LEWALD nicht auf solche Hinweise berief, als sie vierzig Jahre später im Roman Prinz Louis Ferdinand eine schwärmerische Liebe Rahels zu dem musisch begabten Hohenzollernspross unterstellte? K. A. Varnhagen gegenüber, der ihr die Briefe zur Auswertung überließ, räumte sie die dichterische Fiktion freimütig ein: "ich habe geglaubt frei schalten zu dürfen, nachdem ich Ihnen gesagt, einen so naheliegenden Stoff könne man nur dann bearbeiten, wenn man so zu Werk ginge, als ob Niemand lebe, der uns kontrolliren und die Unrichtigkeiten der Thatsachen nachweisen könne" (6.8.1848). Auch die einst durch eine US-Forscherin aufgeworfene These von lesbischen Neigungen Rahels entbehrte der Belege. Ohne solche bleibt diese Dreiecksgeschichte vorerst noch ein Bermuda-Dreieck!

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4. BERLINKA IN DEN MEMOIREN DES POLNISCHEN AUSSENMINISTERS

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Unter der Überschrift Bartoszewski: Polen wollte Berlinka zurückgeben meldete die Borkener Zeitung vom 5. Januar 2010 Neues zur politischen Debatte über die im Zweiten Weltkrieg ausgelagerten Kulturgüter, zu denen auch die Varnhagensammlung zählt. In seinen Memoiren, die WLADYSLAW BARTOSZEWSKI im Deutschen Historischen Institut Warschau vorgestellt hatte, berichtet er aus seiner Zeit als polnischer Außenminister (2000-2001), er habe damals die Gründung einer deutsch-polnischen Stiftung vorgeschlagen, die aus Polen geraubte Kunstwerke in deutschen Museen und Privatsammlungen aufspüren und aufkaufen sollte. Als Gegenleistung sei Polen bereit gewesen, auf die Sammlungen der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin, die heute in Krakau lagern, zu verzichten. Schuld am Scheitern des Vorhabens sei GERHARD SCHRÖDER gewesen – der Kanzler habe damals nicht verstanden, wie großzügig der polnische Vorschlag gewesen sei, und dass diese Möglichkeit sich nur für kurze Zeit bot, so Bartoszewski. Heute würde er indessen dem amtierenden Regierungschef Donald Tusk von einer solchen Regelung abraten.
mehr... borkenerzeitung

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5. TERMINE: EMPFEHLENSWERTE VERANSTALTUNGEN

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12. bis 14. Februar
Konferenz: Reale und imaginäre Formen jüdischer Machtausübung, Repression und Gewalt. U. a. mit einem Vortrag unseres Mitglieds Paola Ferruta (13.2., 9.00) über La Juive und die Gewalt. Das imaginierte und gelebte Jüdisch-Weibliche im Spiegel des familiären Schicksals der Rodrigues-Henriquez und Halévys im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Veranstalter : Forum Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur Moderne. Ort: Evangelische Akademie, Haus der Kirche, Bad Herrenalb. Tel. 0931-2602082.

17. Februar, 9.00–19.00
Fachtagung zur Lehrerfortbildung: Rahel Varnhagen und die Berliner Salon- und Briefkultur. U. a. mit Workshops unserer Mitglieder Hannah Lotte Lund, Nikolaus Gatter, Ernst Siebel. Dazu Vorträge von Petra Wilhelmy-Dollinger und Conrad Wiedemann, szenische Lesung, Filmvorführung. Veranstalter : Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM), Ort: BBAW, Leibnizsaal, Markgrafenstr. 38, Berlin-Mitte; Eintritt frei. Organisation und Anmeldung: Dr. Yvonne Pauly pauly(at)bbaw.de

18. Februar, 13.30
Heiligtümer, Papyri und geflügelte Göttinnen. Tagung zur Eröffnung der Kabinettsausstellung über den Archäologen Otto Rubensohn. U. a. mit einem Vortrag unseres Mitglieds Klaus Parlasca. Veranstalter / Ort: Jüdisches Museum, Berlin. T. 030/25993-582.

18. Februar, 18.00
Ingrid Dietsch: Der Frommann-Nachlass im Goethe- und Schiller-Archiv mit besonderem Blick auf Allwina Frommann. Veranstalter / Ort: Schiller-Museum, Schillerstr. 12, 99423 Weimar (Eingang Neugasse).

...bis 21. Februar
Thomas Kohl: Malerei. Ausstellung im Städtischen Museum Kalkar, Grabenstraße 66, 47546 Kalkar.

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21. Februar, 17.00
...Ausstellung bis 6. Juni 2010:
Ausstellungseröffnung der Varnhagen Gesellschaft:

"...dies ist der höchste Punkt der Geselligkeit" (Rahel Varnhagen) – Literarische Salons der Romantischen Ära. Einführungsvortrag von Nikolaus Gatter: "Die viel gefürchtete Soiree mit Varnhagen lief glücklich ab." Zum 225. Geburtstag von K. A. Varnhagen von Ense. Ort: Marburger Haus der Romantik, Markt 16, 35037 Marburg, Tel. 06421 / 917160.

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21. Februar, 11.30
Urte von Berg: Caroline-Friederike von Berg. Freundin der Königin Luise. Ein Porträt nach Briefen. Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

22. Februar, 20.00
Schreiben wie Schiller. Theorie und Praxis zu Schrift und Schreiben um 1800.Veranstalter / Ort: Kleines Museum in der Windischenstraße 8, Weimar, Karten: 036343 / 776 136 (16 Sitzplätze).

24. Februar, 19.00
Niels Werber: Das Recht zum Krieg. "Die Hermannschlacht" im Spiegel der politischen Theorie des 20. Jahrhunderts. Reihe Heinrich von Kleist: Krieg, Recht, Leben. Veranstalter / Ort: Heinrich-von-Kleist-Forum der Stadt Hamm (Neubau gegenüber Hbf).

1. März, 15.00
Dorothea Minkels: Die Königinnen Luise und Elisabeth von Preußen. (Mit Bildern.) Ort: Gemeindesaal der Evangelischen Kirchengemeinde, Alt-Heiligensee 45 (gegenüber der Kirche auf dem Dorfacker). Bus 133 von Berlin-Alt-Tegel bis Endstation, Info: Tel. 030 4061714.

2. März, 19.30
Ursel Schmitz: Preußische Jüdinnen. Das Leben der legendären Berliner Salonieren Henriette Herz, Rahel Varnhagen von Ense und Dorothea Schlegel. Eintritt 5 / 4 EUR. Ort: Lila Villa, Kaßbergstr. 22, 09112 Chemnitz, Tel. 0371 / 30 26 78.

4. bis 6. März
Quartier machen - Sterne deuten. Kulturwissenschaftliche Tourismusforschung über das Hotel. 9. Tagung der Kommission Tourismusforschung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde. Ort: Institut für Europaeische Ethnologie der Universitaet Wien, Hanuschgasse 3, 1010 Wien, Anmeldung: Fax 0043/1/4277-9440.

14. März, 15.00

Angela Klein: Reformer in Braunschweig. Karl August von Hardenberg (1750-1822) und Joachim Heinrich Campe (1746-1818). Veranstalter / Ort: Landesmuseum Braunschweig, Burgplatz 1, 38100 Braunschweig.

14. März, 11.00
Lesung mit unserem Mitglied Hazel Rosenstrauch aus Wahlverwandt und ebenbürtig. Caroline und Wilhelm von Humboldt. Veranstalter: Buchhandlung Quichotte, Ort: Zimmertheater, Tübingen.

17. März, 19.00
Hans-Jürgen Benedict: Der große Judenschmerz. Heinrich Heine als Jude und zwangsgetaufter Christ. Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

17. März, 19.00
Torsten Hahn: Kommunikation im Ausnahmezustand. Robert Guiskards Belagerung von Stambul. Veranstalter / Ort: wie 24. Februar.

18. März, 17.00
Gedenkfeier auf dem Friedhof der Märzgefallenen von 1848, Berlin.

19. März, 9.30–15.30
Tagung: Erinnerungskultur am Beispiel des Friedhofs der Märzgefallenen.Veranstalter: Projektbüro Friedhof der Märzgefallenen. Alte Feuerwache, Marchlewskistr. 6, 10243 Berlin, Ort: Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastraße 17, 10785 Berlin. Anmeldung: Tel. 030 / 293479 413.

24. bis 26. März
Konferenz: Selbstzeugnisse in transkultureller Perspektive. U. a. mit einem Vortrag von Peter Burschel über Die Orientalischen Briefe der Ida Gräfin von Hahn-Hahn Veranstalter: Friedrich-Meinecke-Institut, Koserstr. 20, 14195 Berlin, Tel. 030/838-54045/-54381, Ort: Harnack-Haus, Ihnestraße 16-20, 14195 Berlin-Dahlem.

28. März. 17.00
Anja Kischel: Soziale Mobilität in Theodor Fontanes Gesellschaftsromanen.*Veranstalter: Fontanekreis Rheinland, Ort: Restaurant 'Stapelhäuschen' am Fischmarkt / Ecke Lintgasse, Köln (nicht Stapelhaus).

6. April, 20.00
Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde. Buchvorstellung des Matthes & Seitz-Verlags mit unserem Mitglied Ulrike Landfester. Literaturforum im Brechthaus, Chausseestr. 125, 10115 Berlin-Mitte.

...bis 14. April
Ausstellung:"Ich glaubte nur an Musik". Ausstellung über den Komponisten Norbert Burgmüller. Heine-Institut, Bilker Str. 12-14, Düsseldorf.

18. April, 15.00
Beate Borowka-Clausberg: Geistreich bei Tee und Kaffee – Facetten der Salonkultur. Lichtbildvortrag. Veranstalter / Ort: Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, 63065 Offenbach am Main.

20. April, 19.30

Andrea Hahn: Therese Huber. Eintritt: 4 / 2 EUR, Veranstalter: Goethe-Gesellschaft Kiel, Ort: KulturForum in der Stadtgalerie Neues Rathaus, Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel.

25. April, 11.30
Susanne Bienwald: Friedrich Hebbel und Hamburg. "Lauter zerrissene Verhältnisse." Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

28. April, 19.30
Kinder von Genies. Literarisches Duett mit Nikolaus Gatter und Christiane Nägler. VHS, Villa Schnitzler, Biebricher Allee 42, Wiesbaden, Tel. 0611/9889-0.

28. April, 19.00
Blanche Kommerell:"...und erst jetzt bin ich jung" - Lou Andreas Salomé und Rainer Maria Rilke. Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

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15./16. Mai – bitte vormerken! –

Salon-Seminar der Varnhagen Gesellschaft:
Zirkel, Cliquen, Freundschaftsbünde: Von den Salons der Romantik bis zum Speed-Dating. Mit praktischen Tipps, Vorträgen, Erfahrungsberichten v. Nikolaus Gatter, Kornelia Löhrer, Hannah Lotte Lund, Christiane Nägler und Ina Pfitzner.

Ort: Haus der Romantik, Am Markt 16, Marburg

Bitte beachten Sie Aktualisierungen des Programms im Internet:
http:www.romantikmuseum-marburg.de/

Abendvortrag:
Ulrike Landfester stellt uns das mit einem Nachwort von ihr im Matthes & Seitz Verlag erschienene Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde vor.

15. Mai, 11.00
Mitgliederversammlung der Varnhagen Gesellschaft
Mitglieder der Varnhagen Gesellschaft erhalten eine form- und fristgemäße Einladung. Gäste sind willkommen!

16. Mai
Marburg-Führung (Marita Metz-Becker)

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15. Mai
Die Burgen der Isenberger. Exkursion anlässlich der Sonderausstellung "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen" Treffpunkt: LWL-Museum für Archäologie, Europaplatz 1, 44623 Herne, Anmeldung: 02323 / 94628-0 oder -24.

18. Mai, 19.30
Irmela von der Lühe: Rahel Varnhagen von Ense. Eintritt: 4 € / 2 €, Veranstalter : Goethe-Gesellschaft Kiel, Ort: KulturForum in der Stadtgalerie, Neues Rathaus, Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel.

19. Mai, 18.30
Frank Matthias Kammel: Edle Einfalt, stille Größe? Deutsche Bildhauerei um 1800. Eintritt 4 €. Veranstalter: Goethe-Gesellschaft Nürnberg, Ort: Germanisches Nationalmuseum, Eingangshalle.

20. bis ...22. Mai
Tagung: Anthropologisches Wissen und zitierbares Schreiben – Walter Benjamins Aphoristik im Kontext. Veranstalter / Ort: Tagung am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin.

26. Mai, 11.30
Detlef Haberland: Krisen-Ästhetik im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch. Friedrich Nietzsche und die Literatur. Heine-Haus wie 21. 2.

26. Mai
Sylke Kaufmann: Henriette von Pogwisch (1776-1851) und ihre Französische Lesegesellschaft in Weimar Veranst: Goethe-Ges. Essen, Ort: Bürgermeisterhaus Essen-Werden, Tel. 0201/794487.

3. bis 6. Mai
Konferenz: "Hier sitze ich wieder in meiner Klause". Johann Gottfried Seume (1763-1810) und Leipzig. U. a. mit Vorträgen unseres Mitglieds Georg Meyer-Thurow, Borgholzhausen: Das "wahre" Leben des J.G.S. Eine Annäherung, Teil I: Kindheit und Jugend in Poserna und Knautkleeberg 1763-1777. (3. 6.); Seumes Bewerbungsschreibung an die Leipziger Universität: Ein Kuriosum. (4.6.) Veranstalter: Johann-Gottfried-Seume-Gesellschaft zu Leipzig, Ort: Villa Tillmanns, Wächterstraße 30, Leipzig.

13. Juni, 11.30
Annette Seemann: Schillers Schwester Christophine. Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

16. Juni, 19.00
Hanno Scherf: Heinrich Heine - Ansichten eines Dichters. Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

3. Juli
Die Burgen der Grafen von der Mark. anlässlich der Sonderausstellung "Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen" Treffpunkt: LWL-Museum für Archäologie, Europaplatz 1, 44623 Herne, Anmeldung: 02323 / 94628-0 oder -24.

6. Juli, 19.00

Ingrid Bodsch: Vorstellung der Ehetagebücher von Clara und Robert Schumann. Veranstalter : Goethe-Gesellschaft Stuttgart, Stadtbücherei Wilhelmspalais.

21. Juli, 19.30
Volker Hesse: Goethe und die Dioskuren Wilhelm und Alexander von Humboldt. Eintritt: 7 / 5 €. Veranstalter: Goethe-Gesellschaft Nürnberg, Ort: Literaturhaus Nürnberg (1. Stock), Luitpoldstr. 6.

18. September, 16 Uhr
Liederabend: "Ästhetische Teetische" - Begegnungen in den Salons des 19. Jahrhunderts. U. a. mit Texten von Rahel Levin. Mit Beate Josten, Angelina Soller, Tatjana Prelevic u. Christina Worthmann. Veranstalter: GEDOK, Eventbühne SofaLoft, Jordanstraße 26, Hannover-Süd. Tel. 05 11 / 80707-0.

22. September, 19.00
Detlef Stein: "Sie kamen zu jeder beliebigen Zeit". Der Salon der Gertrude Stein (1874-1946) und die künstlerische Avantgarde in Paris. Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

13. Oktober, 20.00
Sylk Schneider: Kristallisation von Goethes Interesse an Brasilien. Veranstalter / Ort: Goethe-Museum Düsseldorf, Schloss Jägerhof, Jacobistr. 2.

27. Oktober, 19.00
Dorothea Schröder: "Ich habe um seiner Ruhe willen riesige Opfer gebracht". George Sand (1804-1876) und Frédéric Chopin (1810-1849). Eintritt 5 EUR, Veranstalter / Ort: Heine-Haus, Elbchaussee 31, 22765 Hamburg-Altona.

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6. DIE VARNHAGEN GESELLSCHAFT E. V.

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VORSTAND:

Dr. Nikolaus Gatter, Köln (Vorsitzender)

Christiane Nägler, Eltville (Stellvertretende Vorsitzende)

Karin Laakes, Bocholt (Schatzmeisterin)

Sigrun Hopfensperger, Osnabrück (Schriftführerin)

Kornelia Löhrer, Hürth (Schriftführerin)

SCHIRMHERRIN / EHRENMITGLIEDER

Prof. Carola Stern +

Dr. Herrad von Lamprecht, Heidelberg

Prof. Dr. Maria Victoria Arrabal Cano, Barcelona

Prof. Dr. Jaime Vándor, Barcelona (Spanien)

NEUES MITGLIED:

Christa Weber, Wendelstein

...AUSGESCHIEDEN IST:

Christina Ujma, Berlin

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7. SCHÖPFER DER RAHEL-BRIEFMARKE VERSTORBEN

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Verstorben ist am 5. Juli 2009 nach kurzer, schwerer Krankheit der Grafiker GERD ARETZ, der als Professor in Wuppertal wirkte. Am 18. Februar dieses Jahres hätte er seinen 80. Geburtstag feiern können. Aretz hat für die Bundespost u. a. die Briefmarkenserie "Frauen in der deutschen Geschichte" (1994) gestaltet. Der 80-Pfg-Wert *Rahel Varnhagen von Ense* wurde wegen seiner "Postkartentauglichkeit" besonders populär. In einem Rundfunk-Interview berichtete der Gestalter übrigens einst, dass ihm die Darstellung von Jüdinnen in der Serie auch Drohbriefe von Neonazis eintrugen.

mehr...wikipedia
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8. AKTIVITÄTEN UND PUBLIKATIONE UNSERER MITGLIEDER

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KLAUS BRIEGLEBs Laudatio auf Wolf Biermann anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität ist unter dem Titel Die Solidarität der Generationen in den Weimarer Beiträgen Jg. 55 (2009), H. 4, S. 609-613 erschienen.

WOLFGANG BUNZEL gab das Internationale Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft Bd. 20/21 (2008/09) heraus, das u. a einen Text enthält, den Schüler der Bettina-von-Arnim-Oberschule in Berlin aufgeführt haben: Sie saßen und tranken am Teetisch... Ein Salongespräch im Hause der Rahel Varnhagen mit Bettina von Arnim und den Gästen Pauline Wiesel, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Heinrich Heine, Ludwig Tieck und Eichendorff, sowie dem Herrn Goethe und Heinrich von Kleist.

Zum 16. Dezember 2009, dem 150. Todestag von Wilhelm Grimm, kam BERTHOLD FRIEMEL in der Sendung Zeitzeichen (WDR 3 und WDR 5) zu Wort.

Mit der Broschüre Störfaktoren: Achtung, die Künstler kommen, die gratis beim ver.di-Fachbereich 8, Düsseldorf erhältlich ist, dokumentierte NIKOLAUS GATTER das ver.di-Kulturforum NRW vom 5. bis 7. September 2008.

Gemeinsam mit Anne Helene Bubenzer wird GABRIELE HAEFS in Lesereise Oslo - auf der Suche nach Ibsens Badewanne bei Picus kuriose Fundstücke aus der norwegischen Metropole präsentieren.

Totentanz und Mitternachtsgraus inspirierte CHRISTIAN LIEDTKE zu einem Sammelband mit Balladen, der für nur 10 EUR bei Hoffmann & Campe, Hamburg 2009 erschienen ist; hierzu wurde er am 24.12.2009 in der Rundfunksendung Mosaik auf WDR 3 interviewt. Im neuen Heine-Jahrbuch 48 (2009) schrieb er über *Josef Svatopluk Machar und sein Gedicht "H. Heine"* (S. 223-226).

Im selben Heine-Jahrbuch 48 (2009) wird JUTTA NICKELs Buch Revolutionsgedanken. Zur Lektüre der Geschichte in Heinrich Heines "Ludwig Börne. Eine Denkschrift" von Thomas Stähli rezensiert (S. 272-274)

Von "Wahlverwandt und ebenbürtig", dem Buch unseres Mitglieds HAZEL ROSENSTRAUCH über Caroline und Wilhelm von Humboldt, ist bei Eichborn die dritte Auflage erschienen (ISBN 978-3-8218-6207-1, 320 S. 30 EUR).

Einem Bekannten Varnhagens, Daniel Ludwig Jassoy, hat sich DIRK SANGMEISTER gewidmet: Man muß erstlich wissen, was man will, ehe man tun kann, was man soll. Aphorismen und Glossen aus "Welt und Zeit" (1815-1828). Ausgewählt u. mit einem Nachwort, Lumpeter & Lasel, Eutin 2009.

Gedichte von GEERTJE SUHR erschienen zweisprachig unter dem Titel Love as a saving grace / Rettungsmittel Liebe im Grupello-Verlag, Düsseldorf 2010 (englisch v. Jolyon T. Hughes).

DAGMAR VON WILLE edierte den philosophischen Aufsatz einer Neapolitanerin namen Nicola Cirillo: La filosofia di Cartesio. Philosphiae cartesianae synopsis. Lezioni inedite napoletane del 1704-1705. Napoli: Bibliopolis 2009 (Istituto Italiano per gli studi filosofici. Serie Testi XIX); sie publizierte außerdem gemeinsam mit Eugenio Canone ein Lebensbild der Grafikerin Margarethe Wille-Burchhard.

Anlässlich der Tagung, die vom 4. bis 6. Dezember 2009 am Institut für Germanistik in Potsdam zu Ehren des verstorbenen Walter Boehlich ausgerichtet wurde, würdigte PETER URBAN die Übersetzungsleistungen des Autors und Romanisten.

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9. VARNHAGENS SCHERENSCHNITTE

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Überraschendes kam mit der Post: Dank der Großzügigkeit des Autographenhändlers Eberhard Koestler erhielten wir über unseren Vorsitzenden für die Marburg-Ausstellung ›Kleinkunst‹ aus dem Nachlass von Henriette Solger als Leihgabe.

Die Solgers waren in Dresden gut mit Ludwig Tieck befreundet. Es handelt sich um ein schwarzes Blatt, aus dem drei Silhouetten ausgeschnitten wurden: Reiter mit Speer, Wanderer und Hirsch. Dazu einen Stier und einen aus rosa Papier geschnittenen und aufmontierten Cupido mit Pfeil in der Hand. Signiert sind die wenige Quadratmillimeter 'großen' Kunstwerke nicht; eine Notiz macht es aber wahrscheinlich, dass Varnhagen sie im Oktober 1822 anfertigte, als er sich in Dresden aufhielt und auch die "Wittwe Solger" traf (vgl. Karl August Varnhagen von Ense: Blätter aus der Preußischen Geschichte Bd. II, 218: "Frau von Arnim (Bettina) vorgestern bei Tieck ganz zahm, nachher doch wieder wild. Alle verabscheuen sie, Tieck, die Familie, die Wittwe Solger, Herr und Frau von Raumer, alle wetteifern im Ausdruck ihres Widerwillens, 'Paradiesaffe', 'Kalb mit fünf Füßen', 'Lügenbestie' u. s. w. Rahel vertheidigt Bettinen soviel sie kann, bekennt aber, es geschehe ihr schon Recht, dass auch ihr einmal Unrecht geschehe, weil sie es ewig gegen Andere ausübe.").

Viel hielt Karl August Varnhagen von Ense Vom Ausschneiden: im gleichnamigen Aufsatz (Morgenblatt für gebildete Stände, Nr. 58 v. 9. 3. 1814, S. 229 ff.) rechnete er es zu den "kleinen Künsten der Geselligkeit" und machte Vorschläge, mit welchen Motiven sich gesellige Runden am besten unterhalten lassen: "Geschichten aller Art, Mythen, Feenbilder, Fratzen, tausenderlei Dinge (...), wie Laune, Gelegenheit, guter und böser Wille es fügen". Der Schriftsteller und Diplomat war selbst ein talentierter Silhouetteur und schnitt seit seinem sechsten Lebensjahr Blumen und Landschaften aus, die er in der Regel verschenkte.

Schon deshalb sind in seinen vielbändigen Nachlassmassen nur wenige Scherenschnitte zu finden, die ihm vermutlich zugeschrieben werden können (z. B. in Heidi Thomann Tewarsons rororo-Biographie Rahel Varnhagen, Reinbek 1986, S. 61, der Weißschnitt eines schaulustigen Bürgers mit Zylinder und Halsbinde vor einer Gehenkten.

Unsere Scherenschnitte waren eingeschlagen in Blätter mit der Aufschrift: "Ausgeschnittenes" und "Ausgeschnitten von Varnhagen v. Ense 1822" (letzeres eine handschriftliche Notiz Henriette Solgers auf den zartrosa Blättern, in denen sie die Schnipsel zeitlebens aufbewahrte). Ein Ornament auf dem Blatt, in das die winzigen Scherenschnitte eingeschlagen waren, fiel mitten in der Knickfalte dem Tintenfraß zum Opfer. Das Blatt wurde von Kornelia Löhrer mit Hilfe säurefreier Klebematerialien behutsam restauriert.

In einem Artikel von 1856, der u. a. auf Rosa Maria Assings Scherenschnitte eingeht, heißt es: "Ihres Bruders Varnhagen von Ense's zierliche und geschmackvolle Ausschnitte möchten an Kleinheit und Feinheit nicht leicht zu übertreffen sein; indem er dasselbe Talent mit der Schwester theilt, übt er es wieder in ganz anderer Weise aus: seine Landschaften, Blumen, Menschen und Thiere sind so klein daß nicht sehr scharfe Augen einer Lupe bedürfen, um sie deutlich zu erkennen, und dabei sind sie alle voll Charakter und Ausdruck. Kosaken zu Pferde, Rosen, Lilien und Nelken, mit Staubfädchen, so fein wie Haare, liebliche Landschaftsbildchen mit dem zartesten Laubwerk sind viel von ihm bewundert worden, und er selbst sagt in seinen 'Denkwürdigkeiten' daß diese Fertigkeit ihm mehr Gunst und Schmeichelei, Ansehn und Vortheil des Augenblicks verschafft, als alle seine andern Eigenschaften zusammengenommen."

- Der Ausschneider Karl Fröhlich in Berlin, in: Die Jahreszeiten. Jg. 15 (1856), No. 50 (Dezember), Sp. 1593.

Datiert (auf 1850) sind auch die ähnlichen Ausschnitte in Schwarz- und Buntpapier in der Landes- und Universitätsbibliothek Bonn (Signatur S 2166, Bl. 6v u. 6r) aus dem Album des Wilhelm Hensel (1829-1885), der in Berlin studierte - "es ist der nähmliche Gelehrte, der in dem Briefwechsel Varnhagens und Humboldts unter der Bezeichnung H. als von dem Großherzog bei Gelegenheit einer Empfehlung zum Secretär oder Bibliothekar abschläglich beschieden vorkommt", soviel hatte sich bald herumgesprochen (Friedrich von Uechtritz an Friedrich Hebbel, 24.3.1861, in: Hebbels Briefwechsel, München 1999, Bd. IV, S. 153). Er wurde auf Empfehlung Varnhagens, Heinrich von Sybels und Berthold Auerbachs dann Sekretär des Kölnischen Kunstvereins, wofür ursprünglich Gottfried Keller ausersehen war. In seinem Album bewahrte er die Hoftiere - Kuh, Ziege, Katze, eine Gans und eine weitere Ziege - , die der nunmehr 65-jährige Varnhagen nicht mehr mit derselben Feinmotorik zu gestalten wusste wie noch 1822, mit folgender Bemerkung auf: "Von Varnhagen ausgeschnitten im Mai 1850 in einer Gesellschaft bei Fr(äulein) v. Solmar, Berlin, auf H(erman) Grimm's Bitten." Wer das Internet-Portal Facebook kennt (wo es übrigens neuerdings auch eine "Rahel Varnhagen Group" gibt), weiß, dass man dort mit der Anwendung "farmville" Kühe und andere Hoftiere an seine Freunde verschenken kann - und auch hier werden mit der unspektakulären Gabe gesellige Beziehungen gestiftet. Ob sie in der Virtuellen Welt allerdings so lange aufgehoben werden wie der Witwe Solger und des Studenten Hemsens Scherenschnitte, wer weiß...!

Unsere Mikro-Silhouetten werden erstmals in Marburg im Haus der Romantik zu sehen sein, natürlich unter Standlupe...

Solche Silhouetten wurden oft mit Gedichten begleitet, von denen Varnhagen Abschriften nahm und seinen Tagesblättern beilegte, zum Beispiel an Anna Theremin (3. Juli 1839), an die Königin von Württemberg (28. Juli 1840) oder an ein "liebenswürdiges und verehrtes Fräulein" (26. Februar 1841).

Wir freuen uns übrigens, an dieser Stelle die Archivarin des Scherenschnittvereins, Christa Weber, als Mitglied bei uns begrüßen zu dürfen.

http://www.scherenschnitt.org/

Literatur:

Nikolaus Gatter: "Der Papierkünstler! Der Gesichterschneider!" Karl August varnhagen von Ense als Silhouetteur. In: Schwarz auf Weiß. Zeitschrift des deutschen Scherenschnittvereins Jg. 15 (2008), Nr. 32, S. 6 ff.

Nikolaus Gatter: "Hier ein paar Heiligenbildchen für die Kinder!" Religiöse Motive bei Karl August Varnhagen und Rosa Maria Assing. In: Schwarz auf Weiß. Zeitschrift des deutschen Scherenschnittvereins Jg. 16 (2009), Nr. 35, S. 24-27.

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10. GESCHENKE FÜR UNSERE BIBLIOTHEK

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Wir danken ganz herzlich den Spenderinnen und Spendern, allen voran Dieter und Anne Varnhagen, für ihre Beiträge zur Sammlung...

Brilon mit Ortsteilen und Dörfern. Chronik 21 (2004). Hg. v. Winfried Dickel. Jahrbuch 21 (2004) mit Foto und Bericht über das weltweite Varnhagen-Familientreffen am 22. Mai 2004 (S. 93 f.)

Hans von Arnim: Louis Ferdinand Prinz von Preußen. Berlin: Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung 1966 (Berlinische Reminiszenzen 10), 107 S., Abb.

Barbara Hahn: Antworten Sie mir. Rahel Levin Varnhagens Briefwechsel. Basel / Frankfurt a. M.: Stroemfeld/Roter Stern 1990 235 S., Abb.

Rahel Varnhagen: Jeder Wunsch wird Frivolität genannt. Briefe und Tagebücher. Ausgewählt und hg. v. Marlis Gerhardt. Darmstadt / Neuwied: Hermann Luchterhand 1983 (Sammlung Luchterhand 426), 138 S.

Rahel Varnhagen. Ein Frauenleben in Briefen. Ausgew. u. mit einer Einleitung versehen v. Augusta Weldler-Steinberg. Zweite durchgesehene Aufl., Weimar: Gustav Kiepenheuer 1917, 546 S., Abb.

Barbara Breysach: Die Persönlichkeit ist uns nur geliehen. Zu Briefwechseln Rahel Levin Varnhagens. Würzburg: Königshausen und Neumann 1989 (Epistemata Reihe Literaturwissenschaft 44), 243 S.

Claudia Christophersen:"...es ist mit dem Leben etwas gemeint". Hannah Arendt über Rahel Varnhagen. Mit einer Edition des Briefwechsels zwischen Hannah Arendt und Klaus Piper über Rahel Varnhagen. Königstein/Taunus: Ulrike Helmer 2002, 328 S. Exemplar mit Widmung der Autorin auf dem Vorsatz.

Alfred Wien: Liebeszauber der Romantik. Mit zahlreichen Bildnissen. 2. Aufl., Berlin: E. S. Mittler und Sohn 1917. 376 S. (mit einer Kapitel über Rahel Varnhagen, S. 108-127).

Verena von der Heyden-Rynsch: Europäische Salons. Höhepunkte einer versunkenen weiblichen Kultur. München: Artemis & Winkler 1992, 254 S. (mit Kapitel über Rahel Varnhagen S. 142-154).

Wir erhielten außerdem von Mondrian von Lüttichau aus Leipzig eine Sammlung von Quellen zu seiner Vorfahrin Ida von Lüttichau, deren Kontakte mit Hermann Franck in der Varnhagensammlung dokumentiert sind. Herr von Lüttichau hat die biographischen Forschungen unter dem Titel Wahrheit der Seele als pdf-Dokument zusammengefasst, uns auf einer CD-Rom überlassen und auf seiner Webseite http:www.autonomie-und-chaos ins Internet gestellt (18, 7 MB, das Herunterladen erfordert allerdings etwas Geduld):

http://www.autonomie-und-chaos.de/pdf-wahrheit-der-seele-ida-v-luettichau1798 1856

Dank gebührt auch der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft (Berlin), die uns ihre Jahresgabe 2006 überließ. Darin findet sich ein Vortrag von Prof. Ernst Osterkamp Über die Briefe Alexander von Humboldts an Karl August Varnhagen von Ense, der eine Lesung aus den Briefen beim 2. Humboldt-Gespräch am 8. Juni 2005 einleitete. Sie kann auch als pdf-Datei abgerufen werden (unter Archiv. Download Jahresgabe 2006, "Alexander von Humbold und sein Kosmos"):

http://www.hu-ny.org/hug/aktuelles/jahresgabe

Die Mendelssohn Gesellschaft e. V. hat sich nach intensiver Debatte auf der letzten Mitgliederversammlung mit dem Geschichtsforum Jägerstraße e. V. zusammengeschlossen und einen neuen Vorstand gewählt. Fast zeitgleich erschien Bd. 16 (2009) der Mendelssohn-Studien - Beiträge zur neueren deutschen Kulturgeschichte im Wehrhahn Verlag als Gabe zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy hg v. Hans-Günter Klein und Christoph Schulte, 484 S. Im gleichen Verlag erschienen Eintragungen in den "Schreibkalendern" 1836 und 1837 von Felix Mendelssohn Bartholdy, hg. v. Hans-Günter Klein u. Peter Ward Jones (Mendelssohn Studien, Bd. 1).

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http://www.varnhagen.info/beitritt.html

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- für alle anderen: Jahresbeitrag 24 EUR

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Mitglieder erhalten - soweit lieferbar - ältere GAZZETTINO-Papierausgaben sowie (soweit noch vorhanden) die bisherigen Jahresgaben zugesandt, zweimal jährlich den neuen GAZZETTINO, eine exklusive Jahresgabe sowie freien Eintritt zu allen unseren Veranstaltungen. Institutionelle Mitglieder erhalten alle Publikationen kostenfrei und unaufgefordert zugesandt.

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